Bayer Beschilderung

Metzgerei Bayer | Fleischerfachgeschäft und EG-Schlachthof

Tierwohl zeigt sich konkret

Ulrich Bayer und zwei weitere Personen auf einer Kuhweide

Zwischen Wiesen und Wäldern ein 450-Einwohner-Ort mit drei Vollerwerbslandwirten. Ein Schild weist zum EG-Schlachthof, unauffällig und doch so außergewöhnlich, dass immer wieder Fach-Delegationen herkommen. Dienstag und Freitag ist Schlachttag, dann wird Tierwohl konkret.

Ulrich Bayer hat 1998 den Schlachthof mit wissenschaftlicher Unterstützung so ausgebaut, dass möglichst wenig Stress bei den Tieren entsteht. Kein langer Transport, wenig Lärm, kein hektisches Ausladen. Ohne Treiber laufen die Tiere selbst in dem dunklen, beheizten Stall, weil sie einer Lichtspur folgen. Sie werden einzeln elektrisch betäubt. Kein Massenbetrieb. Auch die Auswirkungen des Schlachtens werden bedacht: Ställe und Viehwagen werden mit Regenwasser gereinigt, eine biologische Vorklärung des Brauchwassers entlastet die Gemeindeanlage.

Es gibt Photovoltaik auf den Dächern des Betriebs, Ökostrom und die Maschinen sind mit Energie-Rückgewinnungs-Systemen ausgestattet. Im Zerlegebetrieb arbeitet auch Personal aus Osteuropa. Diese Männer werden, wie ihre deutschen Kollegen, nach Leistung bezahlt. Teilweise leben sie mit ihren Familien schon vor Ort.

Das Unternehmen

Schweinehaltung

Im Schlachthof Bayer werden wöchentlich rund 900 Schweine und 40 Rinder aus  landwirtschaftlichen Betrieben der Region geschlachtet, hinzu kommen Lohnschlachtungen der Direktvermarkter.

Der Standort ist nach Bio- und den noch strengeren Demeter-Richtlinien zertifiziert. Der Vertrieb findet neben dem Großhandel auch über sechs eigene Fleischerfachgeschäfte statt. 220 Menschen arbeiten bei Bayer, davon 80 in Niederwallmenach. In Planung ist dort eine Großküche für eine erweiterte Produktpalette.


Im Gespräch mit: Inhaber und Geschäftsführer Ulrich Bayer

Ulrich Bayer

Ihr Betrieb ist eng mit der Region verbunden. Wie steht es um die Fleischproduktion?

Ulrich Bayer: Rheinland-Pfalz deckt beim Fleisch seinen Selbstversorgungsanteil nur zu 10 Prozent. Der Rest kommt aus anderen Bundesländern oder dem Ausland. Dieser Entwicklung wollen wir entgegenwirken. Wir sind daher auch im Dialog mit Bauern bei Betriebsübernahmen, bei Züchtungen und der Auswahl von Tierrassen.

Was kann ein Schlachthof bewirken?

Ulrich Bayer: Früher gab es alleine im Taunus etliche hundert Landwirte mit Nutztieren. Heute verteilt sich diese Anzahl auf alle vier Mittelgebirge: Taunus, Westerwald, Eifel und Hunsrück. Das ist auch unser Einzugsgebiet gemäß dem Motto: Aus der Region für die Region. Hier gibt es fast nur Betriebe mit kleineren und mittleren Strukturen, die weitab von Massentierhaltung sind. Hier findet man noch ein Gleichgewicht zwischen Tierhaltung und vorhandenen Acker- und Weideflächen. Diese Betriebe haben im Wettbewerb nur noch eine Überlebenschance mit Vermarktungspartnern vor Ort wie uns. Durch diese räumliche Nähe zwischen den Partnern sind kurze, tierschonende Viehtransporte gewährleistet. Die Bauern bringen ihre Tiere überwiegend selbst her.

Warum Tierschutz im Schlachthof?

Ulrich Bayer: Jede Schlachtung ist ein schmerzlicher Eingriff, man tötet ein Lebewesen. Das möchte ich in unserer Hand belassen und einen ethisch vertretbaren Weg gehen. Besuchergruppen führe ich deshalb auch dahin, wo es unbequem wird. Sie sollen voller Hochachtung mit dem Lebensmittel Fleisch umgehen.

Ist die Lösung kein Fleisch?

Ulrich Bayer: Zu einer ausgewogenen Ernährung gehört Fleisch dazu. Aber schon, was wir alles wegwerfen, bedeutet, dass ein Drittel weniger Tiere geschlachtet werden müssten. Und Fleisch muss teurer werden, dazu stehe ich. Wir brauchen Ernährungsbildung schon in den Kindergärten. Weil wir mehr für die Ernährung ausgeben sollten, müssen im Familienbudget andere Prioritäten gelten. Auch fleischlose und Bio-Produkte werden wichtiger.

Was brauchen die Betriebe?

Ulrich Bayer: Wir brauchen eine Begleitung durch Gesetzgebung und Institutionen, die uns wettbewerbsfähig bleiben lässt – etwa durch niedrigere Gebühren. Der Bürokratismus ist eine Last, gerade für den Mittelstand. Die Landwirte fühlen sich von der Gesellschaft oft schlecht angesehen. Diese muss den Berufen wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen, in denen jeden Tag für die Herstellung ihrer Lebensmittel gesorgt wird. Wir müssen wieder bodenständiger werden.

Kontakt

Luftbild Metzgerei Bayer

Metzgerei Bayer
EG-Schlachthof Herbert Bayer KG
56357 Niederwallmenach, Schulstraße 1

Telefon: +49 (0)6772 9390-0
Telefax: +49 (0)6772 9390-30
Mail info(at)metzgerei-bayer.de

www.metzgerei-bayer.de


Wachstum mit Ausbildung

Hängende Fleischwürste

Ulrich Bayer, Geschäftsführer in der vierten Generation, ist der erste mit Ausbildung zum Metzgermeister und Betriebswirt, der seit 1989 die Ladenkette und den EG-Schlachthof führt. Seine Frau Gabriele ist für die Verwaltung zuständig.

Als 1904 der Urgroßvater Peter Bayer aus dem Hunsrück ausgewandert war, aus Not, sicherte er im Taunus sein Überleben als Maulwurfsfänger und Pächter sowie mit Land- und Viehhandel, den Sohn Paul Bayer ausbaute. Der Enkel des Gründers, Herbert Bayer, baute 1966 das Schlachthaus. Anfang der 90er Jahre wurde der Betrieb um eine Wurst- und Schinkenproduktion erweitert. Die 5. Generation macht sich jetzt bereit: Jannic Bayer hat Metzger gelernt, Lebensmitteltechnik studiert und steckt noch im dualen BWL-Studium. Tochter Wiebke ist im Hotelfach und Tochter Maren Kauffrau - ob beide einsteigen, ist noch offen. Die Eltern legen Wert auf eine Ausbildung in fremden Betrieben. Damit neue Ideen wachsen.